mit dem Film:
Die Tochter - Eine Clansaga aus dem Matriarchat der Khasi
Dokumentation von Uschi Madeisky und Daniela Parr, Produktion: tomult&töchter, Frankfurt a. M., gefördert von Hessische Filmförderung, Erzählstimme deutsch: Ute Schiran
Als junge Frau las ich von einer Frau, die ihren Namen Ursula in Ursa, Bärin, änderte, weil das besser passte. Das hatte mich maßlos beeindruckt und war hängengeblieben. Einen Namen ändern, das hätte ich so gerne auch. Und als ich letztes Jahr zum Goddesskongress nach Hambach fuhr, ahnte ich noch nicht, dass ich diese Frau treffen sollte. Aber irgendwann schwahnte es mir beim Blick auf die Referentinnenliste und als sich die Gelegenheit bot, hatte ich Mut und fragte Uscha Madeisky, ob sie die Frau war. Yes! Frau sieht sich mehr als einmal im Leben...
Als ich mich am Freitag auf die Socken machte, wieder einmal mit einem eng gestrickten Zeitrahmen, wollte ich die Fortsetzung der Geschichte "Die Töchter der sieben Hütten" sehen. Wie das weiter ging nach dem Verkauf des Stückes des Clanwaldes und der jungen Frau mit der großen Verantwortung. Und wie das manchmal so ist: eigentlich hätte ich schon in Hambach mal wach werden können, aber ich hab geschlafen. Aber diesmal machte es "bing" und ich wurde wach und merkte, dass das mehr als nur ein Thema am Rande für mich ist.
Aber der Reihe nach: nach warmen Begrüßungsworten gabs den Film, spannend, teils erheiternd, aber gerade durch die Veränderungen im Leben des Clans und der Khasi nicht nur durch die Missionierung (das es das immer noch gibt, das macht so wütend) auch bedrückend.Uscha Madeisky und Dagmar Margotsdotter standen nach dem Film Rede und Antwort. Leider hatte ich keine Möglichkeit zu dem samstäglichen Workshop zu gehen.
Matriarchal-lebende Volksgruppen finde ich total spannend, auch wenn ich über das Thema nur wenig gelesen habe und auch noch nie sowas life erlebt habe. Was mich aber umtreibt ist mein Verhältnis zu den Frauen vor mir, zu Familie in unserer Kultur, zu Clanstrukturen und was hier überhaupt gelebt werden könnte. In welchem Umfang es hier in Europa Matriarchate gegeben hat und wo und wie die Funde dazu sind, das ist für sich genommen ein derart umfangreiches Thema, dass ich mich als nicht-studierte (also weder Archäologie noch Ethnologie oder vergleichbares) da mit Stellungnahmen zurückhalte - zu verhärtet sind da die Fronten zwischen Matriarchatsforscherinnen und -Kritikerinnen. Auch auf dem Goddesskongress gabs dazu eine kontroverse Diskussion auf der Wiese, die ich spannend fand, mich aber nicht beteiligt habe - dazu brauche ich mehr Wissen udn Information dazu.
Wir haben Jahrtausende Patriarchat hinter uns und hier wo ich lebe eine jahrhundertealte blutige Christianisierungsspur. Aber davon abgesehen, was es hier mal gab oder auch nicht: was will ich leben? Der Gedanke an eine Struktur, die die Frau/Mutter nicht weiter abwertet und die weibliche Göttin nicht durch irgendwelchen kruden Kopfgeburten ersetzt, ist schon belebend. Es ist manches klarer, wenn es vom Weib her gedacht wird. (hihi, ich lass das mal so stehen, die Formulierung floß grad so aus meiner Feder, cih fined sie schräg) - Und was ja eine Tatsache ist, was kaum eine Frau/Mutter abstreiten wird, ist, dass Frauen, wenn sie in ihre Wohnklos vereinzelt werden, keine Kraft mehr haben, weder für sich, noch für Kinder, Entwicklung, wasauchimmer.
Diese Vereinzelung hat System. Während es viele Männervernetzungsstrukturen gibt, sei es der Stammtisch, die Lions/Rotarier, Fußball, die Raucherecke auf Arbeit... gibt es kaum Raum für Frauen, sich zu vernetzen. Und wenn es den gibt, ist die Vernetzung schwierig, weil Frauen sich nicht über Frauen definieren, sondern über die Männer und da ist Streit vorprogrammiert. Und Streitkultur ist etwas, was viele Frauen einfach nicht gelernt haben.
Das andere, was mich umtreibt ist der Umgang mit einer christlichen Familie, mit christlichen, bekennenden Vorfahren (was die Vorfahren nicht von innerfamiliärer psychischen Gewalt abgehalten hat). Der Umgang war geprägt von Besserwisserei und Arroganz anderen gegenüber (ein Phänomen, was ich in den Generationen leider fortsetzte: es wurde mehr über andere geredet als miteinander über sich selber - aber meine Generation hat den Braten gerochen und arbeitet daran). Und da stellt sich die Frage (die ich übrigens an dem Samstag gerne gestellt hätte): Wie gehe ich mit Vorfahren/Ahnen um, die unmöglich und christlich waren? Wie kann ich die Hilfe meiner Ahnen erbitten, wenn ich einerseits die Geschichten kenne, andererseits zu Lebzeiten unter ihnen gelitten habe als "aufsässiges" und vorlautes und unmögliches Kind?
Darauf habe ich keine Antwort.
Ich kann die Eigenschaften für mich positiv neuinterpretieren, aber die Personen bleiben.
Auf jeden Fall hat der Abend bei mir einiges in Bewegung gebracht. Ich habe im Buchregal die Dokumentation des Muttergipfels gefunden (Göttin, habe ich gute Bücher, die ich nicht im Blick habe) und habe angefangen zu lesen. Und Fragen aufzuschreiben, immer in der Hoffnung, die mal irgendwann geklärt zu bekommen.
Was für mich auch noch dazu kam: ich wüßte zu gerne, wie meine ehemalige Theologieprofessorin über den christlichen Glauben denkt und wie sie damit umgeht...
Und was auch für mich total untypisch war: ich hatte meine Kamera nicht dabei, sondern nur die kleine kompakte und dann hab ich nicht einmal fotografiert (außer dem einen Bild oben), so fesselnd war das alles. Und es war total schön, die anderen Frauen wieder zu treffen. Ich bin doch nichts ohne die anderen Frauen und Schwestern. Leide rist das immer mit Aufwand verbunden, nach Dresden zu fahren und die Abende von Yoni sind freitags, da hab ich bis kurz vor knapp noch meine Mädchengruppe, das ist immer Hektik (diesmal hatte ich vergessen, was zu futtern, ich hatte dermaßen Hunger... das war nicht mehr schön... und als ich einen Kanten Brot erbat, bekam ich den Hinweis auf den Bäcker im Viertel. Das würde es bei mir nicht geben!)
3 Kommentare:
Diese Frage mit den Ahnen habe ich mir auch schon gestellt, liebe irka.
Aber weißt Du, ich habe mal wo gelesen, dass.....wenn wir den Körper ablegen, heraus treten aus diesem Individuellen, und wieder Eins sind mit allem, wissen wir "BESCHEID"! So ganz automatisch....weil die Begrenzung des Körpers nicht mehr da ist.
Alle Fragen werden beantwortet.
Vielleicht könnte Frau es SO sehen?
......dass die Ahninnen dann schon in der Lage sind,......klar zu sehen, und Rat zu geben....
Und es ist egal, was man sich auch aus dieser Zeit, in der wir leben, nimmt,......die Verrohung der Gesellschaaft, die Krankheiten, besonders auch der spychischen Natur, die Vereinsamung der Frauen, Gewalt überhaupt, usw.....
ALLES, denke ich, hat seine Ursache in patriarchalen Strukturen.
Ein wirklich guter Bericht! Danke, liebe irka!
Alles Liebe
Rosi
Diese Frage treibt mich auch um. Wie umgehen mit den unsäglichen Ahnen. Das was meine Vorschreiberin denkt finde ich inspirierend. Gedacht habe ich mir oft das manche Ahnen mir zeigen wie ich es nicht machen soll und bei anderen da wo die Verletztung nicht so stark ist, kann ich mich annähern und bestimmte Charaktereigenschaften sogar als Stärke würdigen auch wenn ich drunter gelitten habe. Meine Oma beispielsweise war sehr dominant, allerdings diese Dominanz war auch eine Stärke, die ihr geholfen hat ihre Familie zusammenzuhalten und zu schützen als sie auf der Flucht während des 2. Weltkrieges waren. Das stimmt mich ein Stück weit mit ihr versöhnlich und kann ich sie ansprechen in diesem Sinne.
ja klar
woher nehmen und nicht stehlen
aber woher sollten meine ahnfrauen ein matriarchales bewusstsein haben
haben sie doch gerade auch in einer phase patriarchaler gehirnwäsche vom verfeinertsten gelebt
also die mir bekannten
mein versuch an die zu kommen die davor lebten ist nicht weit gediehen
meine mutter hat mich so patriarchal im regen stehen lassen
meine schwiegermütter hatten da keine chance mehr mich zu unterdrücken
ich habe schlicht allen den rücken gekehrt
bis ich mich in den letzten jahren mehr mit matriarchat beschäftigt habe
zumindest meiner mutter stehe ich jetzt freundlich zur seite
distanz bleibt
alle meine versuche eine bestebeste freundin zu finden sind gescheitert
leider hat das meine tochter zum teil miterlebt zum teil selbst erlebt
so dass ich sie zu meinem kummer nicht für matriarchat erwärmen kann
gerade erst brauchte ich viel kraft ihre argumente einfach stehen zu lassen und auf die zeit auf erfahrungen zu hoffen
danke für deinen bericht der mir so viel nachdenken anstösst :)))
lg birgit
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